Drei Wochen Selbstisolation. Ich habe immer noch keine vernünftige Hose an, geschweige denn stehe ich früh auf – aber muss ich das denn überhaupt? Kann ich mich nicht in meiner Schlafanzugshose unheimlich wohl fühlen und so produktiver sein, als in einer Jeans, die mich sowieso nur zwickt? Kann ich mich nach 10 Stunden in meiner selbst kreierten Kuhle nicht viel besser konzentrieren, als müde? (Philosophische Gedanken, die sich in meinem Kopf wichtig anfühlen – wie traurig).

Ob Hose-Schlaf oder Hose-Eng – ich bin gerade ziemlich happy, überhaupt produktiv zu sein und konzentriert zu arbeiten. Endlich aus diesem strukturlosen Alltag einen Tagesablauf mit Struktur und Ziel gebastelt. Kein „Wieso, weshalb, warum?“ mehr. Statt zweimal umher wälzen, wende ich mich morgens nur noch einmal. Und wie kommt’s?

Stress 🙂 Ja, das Gefühl von Stress. Nachdem ich mich einmal an den Schreibtisch gesetzt hatte und mir meinen Masterarbeit-Masterplan angeschaut hatte, füllte sich mein Brustkorb mit einem unglaublichen Druck:
„Digga, du hast gar keine Zeit, auf der faulen Haut zu liegen!“
Ich will im September fertig werden – das sind ab heute (nur noch) 6 Monate. Theorie zu schreiben, Voranalyse, einen Fragebogen zu erstellen, Pretest, Pretestauswertung, Durchführung, Datenbereinigung und Auswertung zu schaffen, ist eine Heidenarbeit! Aber machbar!

Machbar, wenn ich mich nicht dahinter verstecke, dass die Bibliothek gerade geschlossen hat und auch die Fernleihe wegen Corona nicht machbar ist. Machbar, wenn ich mich einige Stunden am Tag wirklich dahinter klemme – es müssen ja keine 12 Stunden sein (diese Arbeitstage kommen früh genug!). Und vor allem machbar, wenn ich es wirklich will: endlich fertig sein und frei von universitären Zwängen. Wenn ich nur noch einmal das Wort Gruppenarbeit höre, falle ich wahrscheinlich in ein nie endendes Koma und bekomme eitrige Pusteln. Brrrr. Gänsehaut, nur bei dem Gedanken!

Das heißt nicht, dass ich von nun an intensive 8 Stunden am Tag am Schreibtisch hänge und mit Konzentrationsfalten auf den Bildschirm starre. Ich lasse mir noch immer Zeit für Skype-Termine, zum Joggen (nach dem ich mir das endlich wieder angeeignet habe) und für nachmittägliche Spaziergänge. Es heißt auch nicht, dass ich mich an meiner Produktivität am Tage identifiziere. Aber es hilft mir ungemein, mehr geschafft zu haben, als das Frühstück zu verdauen 🙂

 

Sehr geholfen haben dabei auch die Tipps, die ich (von euch) auf Instagram bekommen habe. Gefragt habe ich, wie ihr zur Zeit produktiv bleibt. Die Antworten:

  • Durch Routine. Wenn der Körper weiß, was er wann machen soll, ist er vorbereitet.
    • Klingt erst einmal banal, aber wie krass ist dieser Effekt von Rhythmus im Leben? Ganz deutlich merkt man das ja beim Schlafen gehen, geht ihr immer erst um 2 Uhr morgens schlafen, kann der Körper gar nicht früher runterfahren.
  • To-Do-Listen. Selbst das Kleinste darauf ist ein Erfolg. Sogar Altglas wegbringen!
    • To-Do-Listen sind eigentlich ein wichtiger Bestandteil meines Alltags. Seitdem ich in Seoul war, hab ich das aber wieder verworfen. Höchste Zeit wieder anzufangen und auch kleine Erfolge am Tag zu verzeichnen <3
  • Ich ziehe mich nett and und halte alles dauerhaft sauber!
    • Klamotten werden so oft unterschätzt! Aber wie soll man denn im Blümchen-Schlafkleid irgendwas auf die Reihe bekommen, außer seinen Porridge?
  • Wecker stellen, To-Do-Listen und die Aufgaben vor einer bestimmten Zeit erledigen. 
    • Deadlines sind ein wichtiger Antriebsfaktor. Sie lassen einen konzentrierter und effektiver arbeiten! Deshalb sollte man sich selbst auch welche setzen! 🙂

Während ich mir (und meiner WG) in der ersten Woche eine witzige Can-Do-Liste geschrieben habe, auf der Dinge wie „Fotos aussortieren, Brot backen, Briefe schreiben, Nähen lernen und Bücher lesen“ stehen, sieht die To-Do-Liste für heute z.B. schon ganz anders aus:

  • Microsoft Word installieren (nutze gerade einen anderen Rechner) – check!
  • Blog-Artikel schreiben – check !
  • Brief beantworten – check!
  • Mama anrufen – check!
  • Literaturrecherche Digital zu „Identität“ (Masterarbeit)
    – check!
  • Kekse backen und verteilen
  • Rice and Shine schneiden

Falls es euch gerade noch immer so geht wie es mir letzte Woche ging und euch eure eigene Unproduktivität so fertig macht wie mich, hilft vielleicht der Gedanke, dass man nicht gleich stundenlang produktiv sein muss. Man kann allein in 30 Minuten schon viel schaffen. 5 Min Pause machen und wieder 30 Minuten konzentriert sein. Ich mache mir dabei eine Home Office Playlist an (am besten Lo-Fi Beats) und fange erst mal mit schönen Briefen, Mails oder Nachrichten an, die ich ewig nicht beantwortet habe. Dann eine Kanne Tee. Und wenn man dann schon am Rechner sitzt, ist das PDF nicht weit, das man schon letzte Woche lesen wollte.

Vielleicht bin ich aber auch gerade ganz alleine mit dem Problem, diesen Quarantäne Alltag nicht auf die Reihe zu bekommen – dann haltet mich gerne für verrückt 🙂

Ich glaub fest an Schlafhosen-Workaholics! 🙂
Bis zum nächsten Quarantäne-Diary Beitrag!